Seit dem Aufkommen des Begriffs „Industrie 4.0“ im Jahr 2011 haben sich die dahinterstehenden Technologien wie Cloud Computing, KI und digitale Zwillinge rasant weiterentwickelt. Nun wird die Umsetzung von intelligenter Fertigung vorangetrieben, bei der alle Aspekte der Fertigung digitalisiert werden sollen – vom Produktdesign über die Lieferkette, die Produktion und die Distributionslogistik bis hin zum Vertrieb. Intelligente Fabriken werden sowohl die industrielle Fertigung als auch die Zukunft der Arbeit in der Fertigungsbranche verändern.
Kernidee der intelligenten Fabrik ist eine Optimierung der Planungs- und Fertigungsprozesse durch digitale Technologien wie IIoT, KI und die Cloud. Laut Studien von Deloitte und MAPI ergeben sich daraus eindeutige Vorteile für alle Fertigungsbetriebe. Neben der digitalen Technologie sind intelligente Fabriken jedoch auch auf Arbeitskräfte angewiesen. Diese benötigen die erforderlichen Kompetenzen, um die veränderten Arbeitsbedingungen der Zukunft zu bewältigen. Außerdem müssen sie mit den Geräten und Systemen umgehen können, die eine optimale Nutzung der erfassten Daten ermöglichen.
„Japanische Unternehmen verlagern ihre Fabriken aus Kostengründen in Schwellenländer“, so Professor Hiroto Hamane, Direktor des Manufacturing Support Center an der Universität Kogakuin. „Gleichzeitig wird dieser Trend von politischen Faktoren erheblich gebremst – darunter der Tatsache, dass sie aufgrund der globalen Lage keine Bearbeitungszentren und hochleistungsfähige digitale Werkzeugmaschinen von Japan in Schwellenländer exportieren können.“
Derzeit gewinnen Werkzeuge für die Fertigung aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zunehmend Marktanteile, und Unternehmen in anderen Ländern ergreifen Maßnahmen wie die Steigerung der Produktionsraten durch automatisierte Fertigung und den Einsatz von Internet-Technologie“, erklärt Hamane. „Japan neigt jedoch nach wie vor dazu, an traditionellen Fertigungsmethoden festzuhalten, und bleibt in puncto Produktivitätssteigerung weit zurück.“
Die Universität Kogakuin hat 2015 das Manufacturing Support Center gegründet, um Ausbildungsangebote in den Bereichen Verarbeitungstechnik und Sicherheit am Arbeitsplatz anzubieten sowie ingenieurwissenschaftliche Ausbildungsprogramme zu entwickeln und Kreativität zu fördern. Der Professor ist jedoch der Ansicht, dass der Erwerb von Kenntnissen in den Bereichen Planung und Fertigung allein nicht ausreicht, um den Anforderungen der erwarteten Industrie 5.0 gerecht zu werden. Es herrscht ein gravierender Mangel an Fachkräften mit den erforderlichen Kompetenzen, um die intelligenten Fabriken der Zukunft weltweit zu betreiben.
„In Zukunft werden japanische Studierende definitiv bei globalen Unternehmen außerhalb Japans Anstellung finden, daher müssen wir auch Fachkräfte mit dem nötigen Anpassungsvermögen ausbilden“, so Hamane weiter. „Aus diesem Grund hielt ich es für notwendig, unseren Lehrplan zu aktualisieren und zu reformieren. Seit einigen Jahren spielen Deutschland, China und die USA eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung intelligenter Fabriken für Technologien, die eine schnelle Produktion von Halbleitern und Smartphones ermöglichen.“
Laut Hamane seien Fortbildungsmöglichkeiten für Führungskräfte für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich. Die Universität entwickelte dementsprechend ein Lehrprogramm für die Ausbildung von Führungskräften zur Unterstützung der fünften industriellen Revolution durch die Verwirklichung von intelligenten Fabriken.