Mit Ihren Ansichten sind Sie in der Handwerksbranche fast ein Exot. Die Digitalisierung, insbesondere das Arbeiten mit BIM, ist bislang kaum oder noch nicht im Natursteinbereich angekommen. Warum?
Viele Menschen scheuen Veränderungsprozesse. Meistens werden eingefahrene und bewährte Prozesse zu lange beibehalten. Hier finde ich es verwunderlich, dass die meisten Menschen in ihrer Freizeit das Smartphone nutzen und am Arbeitsplatz noch Faxe schreiben. Das passt nicht zusammen. Wir müssen unser Blickfeld erweitern und mit unseren Kunden auf eine Reise gehen. Als gutes Beispiel sei hier das Küchenstudio genannt. Hier werden schon seit über zehn Jahren virtuelle Küchen erfolgreich im Verkaufsprozess eingebunden.
Der Handwerker gefährdet sich also selbst in seiner Existenz, wenn er nicht digital denkt und arbeitet?
Wir sehen es bereits am klassischen Grabstein. Als ich 1987 in der Ausbildung war, haben wir Grabsteine noch handwerklich bearbeitet. Das Material stammte damals von regionalen Lieferanten. Mit der Globalisierung kommen die Grabsteine aus China und werden in Deutschland von einem Automaten beschriftet. Wo bleibt da das Handwerk? Der Steinmetz ist inzwischen als Verkäufer und Monteur auf dem Friedhof angekommen. Jetzt muss er sich neu erfinden.
Auch Franken-Schotter hat diesen Wandel erkannt. Jetzt arbeiten Sie zusammen. Wie digital denken die Fabrikhallen im Altmühltal?
Wir arbeiten gerade an einem hochwertigen Einkaufszentrum in Toronto mit dem Namen Holt Renfrew – es zeigt, wie Franken-Schotter 5D-BIM-Planung beispielhaft nutzt. Und zwar bereits im Prefab-Verfahren. Die komplexen Fassadenteile aus Jura-Kalkstein werden in Autodesk Revit und Fusion 360 in den bayerischen Werkhallen von Franken-Schotter vollautomatisiert mit einem 6-Achs-KUKA-Roboter vorproduziert, um sie dann in Toronto als fertige Fassadenteile zu montieren. Seit dem Frühjahr 2019 setzen wir zudem Autodesk BIM 360 docs ein. Das ist ein mächtiges Werkzeug für uns und unsere Kunden. Der Informationsaustausch klappt damit sehr gut. Die Modelle können wunderbar vom Architekten geprüft, kommentiert und freigegeben werden.