David Sisson, Häftling, North Dakota Department of Corrections and Rehabilitation: Mein Name ist David Sisson. Ich bin seit über 29 Jahren Insasse in der hiesigen Justizvollzugsanstalt. Bei meiner Verhaftung war ich 17 Jahre alt. Die ersten zehn Jahre waren sehr turbulent. Ab ca. 2007 habe ich erkannt, dass ich mein Leben ändern muss.
Rick Gardner, Director, Rough Rider Industries: Das Gefängnis dient der Bestrafung. Doch ist das wirklich der richtige Weg, wenn Menschen für fünf Jahre in Haft sitzen und es am Ende nichts anderes als eine Bestrafung war?
Ich besinne mich auf das eigentliche Ziel der Strafvollzugsbehörde zurück: Leben verbessern, Veränderung bewirken und Positives zur Gesellschaft beitragen.
Rough Rider Industries ist das berufliche Qualifizierungsprogramm der Strafvollzugsbehörde von North Dakota. Unsere Aufgabe im Rahmen der Resozialisierung ist es, Beschäftigungsfähigkeit zu vermitteln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf technischen Kenntnissen, z. B. Schweißen und Schreinerhandwerk, sowie auf Sozialkompetenzen wie Zuverlässigkeit, effektive Kommunikation und gute Zusammenarbeit.
Wir stellen Schreibtische her, fertigen Stühle an und produzieren Schilder. Das sind jedoch nur die Nebenprodukte dessen, was unsere Arbeit hervorbringt, denn die Mitarbeiter stehen im Fokus.
Sisson: Ich habe alle Angebote wahrgenommen, um möglichst viel zu lernen. Ich habe nach Kräften versucht, das Beste daraus zu machen und mir die notwendigen Fähigkeiten anzueignen, damit ich für eine zukünftige Anstellung infrage komme.
Michelle Pfaff, Director of Education,, North Dakota Department of Corrections and Rehabilitation: Die Technologie und die Welt entwickeln sich stetig weiter. Wir müssen die Häftlinge auf die moderne Welt vorbereiten. Das gilt insbesondere für diejenigen, die schon 20 oder 30 Jahre hier sind. Die Welt von heute ist ganz anders als die zum Zeitpunkt ihres Haftantritts.
Denken Sie nur einmal an Selbstbedienungskassen im Supermarkt – das ist eine komplett andere Technologie. Mir ist es wichtig, den Insassen diese Arten von Erfahrungen nahezubringen.
Daher bieten wir in Zusammenarbeit mit Autodesk zahlreiche Zertifizierungen an. Das ist eine großartige Gelegenheit, um sich wichtige Kompetenzen anzueignen und eine Zertifizierung zu erhalten. Es handelt sich um eine landesweit anerkannte Zertifizierung, die es den Häftlingen nach ihrer Entlassung ermöglicht, einer gut bezahlten Arbeit nachzugehen.
Sisson: Es war 2011, als ich den CAD-Raum für mich entdeckte. Es stellte sich heraus, dass ich ein ziemlicher Computer-Nerd bin. AutoCAD gefällt mir sehr gut. Ich programmiere gerne, hauptsächlich in Visual Basic. Ich nutze Visual Basic, um meine Ideen in AutoCAD entsprechend umzusetzen.
Derzeit arbeite ich an einem Kontrollraum für die Justizvollzugsanstalt am Missouri River. Wir ersetzen einen bereits vorhandenen Kontrollraum durch ein neues Design mit sichererem Bereich und einer effizienteren Platznutzung.
Pfaff: Der eingeschränkte Internetzugang stellt eine Herausforderung dar. Daher habe ich einige Einstellungen geprüft, um bestimmte Websites zuzulassen.
Gardner: Viele Häftlinge sind zum Lernen auf Bücher oder Leitfäden angewiesen. Wir hatten bisher nicht die Möglichkeit, uns Schulungsvideos auf YouTube anzusehen.
Pfaff: Ein weiterer Vorteil besteht in der kontinuierlichen Mitarbeiter-Pipeline für Rough Rider Industries. Im Rahmen der Möbelfertigung kommt auch die entsprechende Software zum Einsatz. Wir bilden immer wieder neu aus, während die Insassen, die aktuell in diesen Positionen arbeiten, aus der Haft entlassen werden. Unser Ziel ist, dass die Arbeit fortgesetzt wird.
Tim Olson, Häftling, North Dakota Department of Corrections and Rehabilitation: Bewege den Mauszeiger in diesen Bereich, und klicke noch einmal darauf. Genau.
Unterrichten ist meine Leidenschaft. Während meines Gefängnisaufenthalts lerne ich viele Insassen kennen, die gar nicht wissen, dass bestimmte Dinge existieren. Das ist es, was mir Freude bereitet: den Menschen zu zeigen, was sie alles mithilfe von AutoCAD oder Inventor entwerfen können. Ich möchte sie dabei unterstützen.
Ich bin ein lebenslanger Lernender. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Weitergeben von Wissen existenziell für mich sind.
Sisson: Die Aneignung neuer Kenntnisse innerhalb der Anstalt ist äußerst effektiv, denn dadurch sehen Häftlinge ein Licht am Ende des Tunnels, einen besseren Weg in die Zukunft. Es gibt ihnen Hoffnung. Ohne diese Hoffnung bleiben sie auf ihrem bereits eingeschlagenen Weg, der sie höchstwahrscheinlich direkt zurück ins Gefängnis führt.
Gardner: Können wir durch die Vermittlung von Beschäftigungsfähigkeit etwas Positives bewirken? Meiner Meinung nach auf jeden Fall. Wenn wir uns die Rückfallquote in den letzten drei Jahren ansehen, wie viele sind in diesem Zeitraum wieder im Gefängnis gelandet? In der Haftanstalt beträgt die Quote im Allgemeinen 37 %. Bei den Teilnehmern des Rough Rider-Programms sind es 8,6 %.
Sisson: Ich werde bald entlassen. In ein paar Jahren möchte ich gerne ein Haus kaufen. Dafür muss ich hart arbeiten, Geld sparen und Kreditwürdigkeit aufbauen. Diese Aspekte sind Bestandteil eines normalen Lebens.
Ich möchte einfach ein guter Mensch sein, Struktur in meinen Alltag bringen und mein Leben leben, statt in Haft zu sein.