Die Gruppe erfüllte zwei ihrer Versprechen gegenüber der Stadt: Erstens wurde das leerstehende Grundstück schnell öffentlich zugänglich gemacht. Zweitens wurde die Struktur für eine befristete Zeit verwendet und anschließend problemlos umgesiedelt. Die Revitalisierung dieser ehemaligen „Problemecke“ war zwei Jahre lang ein Segen für die Gemeinde und zog schließlich die von der Stadt erhofften langfristigen Investitionen an. Holland Partners, eine große Immobiliengruppe, hat das Grundstück erworben und Pläne für den Bau eines 34-stöckigen Mischnutzungsobjekts mit 427 Wohn- und Gewerbeeinheiten entwickelt. Die San Diego State University wird das Gebäude um einen Satellitenstandort erweitern. Auch wenn das Grundstück ursprünglich für den Bau von Sozialwohnungen vorgesehen war, wird der Preis dieser Objekteinheiten wegen des Erfolgs von Quartyard vom Markt bestimmt – ein frustrierender, aber wohl unvermeidlicher Aspekt der Revitalisierung.
Bei den Anwohnenden fand das Quartyard großen Anklang – so sehr, dass sie sich sogar dafür einsetzten, dass der Gebäudekomplex ihnen auch nach Ablauf des Zwischennutzungsprojekts erhalten blieb. RAD LAB konnte die Stadtverwaltung überzeugen, ein anderes brachliegendes Grundstück in der Nähe anzumieten, um zu testen, ob die Container-Gebäude tatsächlich problemlos verlegt werden konnten. Insgesamt zehn Container wurden transportiert.
„Wir mussten Schweißnähte aufbrechen und die Container auf Lastwagen setzen, um sie dann die Straße hinunter zu unserem nächsten Grundstück zu bringen“, erklärt Grauten. RAD LAB konnte 90 % der Strukturen des ursprünglichen Quartyard-Geländes retten. Im Vergleich werden nach Angaben der US-amerikanischen Environmental Protection Agency (EPA) im Normalfall nur 40 % der Bau- und Abbruchabfälle wiederverwendet, recycelt oder in Müllverbrennungsanlagen entsorgt, während 60 % auf Mülldeponien landen.
Die neue Version des temporären Geländes heißt Quartyard II: Nur 150 Meter von seinem Vorgänger entfernt, belebt der Komplex weiterhin das East Village mit einem Restaurant, einer Hundeauslauffläche, einem Biergarten, einem Veranstaltungsort, einem Kunstraum und einem Café.
Die neue Anlage ist mit 1.022 Quadratmetern zwar nur halb so groß wie der ursprüngliche Quartyard, bietet jedoch Platz für eine Vielzahl von Veranstaltungen wie Freiluftkonzerte, Straßenmärkte, Hochzeiten, kulturelle Angebote und Aktivitäten für die Lokalbevölkerung. RAD LAB hat dieses kleinere Grundstück für drei Jahre gepachtet, damit es ein Jahr länger Zeit hat als das ursprüngliche Quartyard, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.
Aus den ersten Erfahrungen mit dem Transport der Schiffscontainer hat das RAD LAB gelernt. Nun arbeitet das Unternehmen mit Fachkräften aus dem Ingenieurwesen und der Stadt San Diego zusammen, um seine Zwischennutzungsprojekte noch einfacher zu machen. „Wir entwickeln Spannschlösser und Verriegelungsmechanismen als Alternative zum Verschweißen des Containers mit dem Fundament: Damit können wir die Container einfach vom Fundament trennen, auf einen Lkw laden und sie zum nächsten Einsatzort bringen“, so Grauten.