Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber die technologischen Möglichkeiten, mit denen wir mehr Menschen auf innovative Weise nachhaltig erreichen können, begeistern mich.
Technologien wie Reality Capture und Photogrammetrie wurden ursprünglich für Baustellen, Produkte und andere Gegenstände entwickelt, die sich normalerweise an Land befinden. Nun werden sie eingesetzt, um hochauflösende 3D-Modelle von Korallen zu erstellen. Das von der Autodesk Foundation geförderte Startup The Hydrous zeigt, wie man auf diese Art einen positiven Beitrag zur Rettung gefährdeter Korallenriffe leisten kann.
Das Erstellen eines 3D-Modells gelingt mithilfe einer Unterwasserkamera und einer Software wie Autodesk Memento relativ leicht. Solche Modelle sind faszinierender als ein Foto in 2D und mit einer 3D-Memento-Datei kann ein 3D-Drucker sogar plastische Nachbildungen der Koralle erstellen, die überall auf der Welt verbreitet werden können.
Nun stellen Sie sich vor, was man bewirken könnte, wenn ein Kind, das noch nie am Meer war, ein 3D-Modell einer echten Koralle anfassen könnte. So ein Erlebnis könnte der Auslöser dafür sein, dass es seine Liebe zum Meer entdeckt und später vielleicht Meereswissenschaftler wird oder sich in der Politik für Veränderungen einsetzt.
Doch 3D-Modelle und verarbeitbare Daten von Korallen bringen noch mehr Veränderungen mit sich: Früher erforschten Wissenschaftler die Korallen mühevoll Stück für Stück mithilfe von Maßbändern. Software, eine Kamera und eine Internetverbindung könnten nun dazu führen, dass es tausendmal so viele Geschichtenerzähler gibt, die Daten sammeln und Menschen auf der ganzen Welt daran teilhaben lassen.
Es gibt aber eine weitere Herausforderung: die Gleichgültigkeit der Menschen. Diese Einstellung haben die Menschen nicht aus bösem Willen, sondern viele denken einfach nicht über solche Dinge nach. Ihnen fehlt das Bewusstsein und das Engagement für diese Problematik, weil es schwer ist, einen Bezug dazu aufzubauen. Viele sehen die Ozeane als weite, uninteressante Fläche.
Glücklicherweise bauen Menschen gern Beziehungen zu anderen Menschen auf. Deshalb besteht die Möglichkeit, ihr Interesse dank der reichhaltigen Seefahrergeschichte der Menschheit zu wecken. Dr. Brendan Foley von der Woods Hole Oceanographic Institution leitet die Forschungsarbeiten am Schiffswrack von Antikythera, der wohl wichtigsten archäologischen Unterwasserausgrabungsstätte der Gegenwart. Dieses 2.000 Jahre alte Schiff ist mit Schätzen aus dem antiken Griechenland beladen, darunter der berühmte Mechanismus von Antikythera: ein Computer, von dem man glaubt, dass er von Archimedes entwickelt wurde.
Dr. Foley und sein Team nutzen Reality Capture nicht nur zur Dokumentation der gefundenen Gegenstände und um 3D-Daten mit Wissenschaftlern, Studenten und der Öffentlichkeit zu teilen. Reality Capture ermöglicht ihnen darüber hinaus, Gegenstände digitalisiert aufzubewahren, die kurz nach ihrer 3D-Erfassung zerfallen sind. Obwohl die originalen Fundstücke nicht mehr erhalten sind, kann durch 3D-Druck ausgehend von der Memento-Datei eine wirklichkeitsgetreue Replik angefertigt werden.