Gemäß der CSRD müssen rund 50.000 Unternehmen die Risiken und Chancen ihrer Geschäftspraktiken in Bezug auf soziale und ökologische Faktoren offenlegen. Diese Verpflichtung trat im Jahr 2024 in Kraft, die Berichte sind ab 2025 fällig.
In den USA fehlt eine ähnliche Gesetzgebung: Hier erfolgen solche Entscheidungen auf dezentraler bzw. freiwilliger Basis. Die CSRD-Vorschriften zielen darauf ab, Greenwashing zu unterbinden. „Immer mehr Investoren und Fachkräfte im Finanzwesen fragen derzeit nach Kennzahlen zu Kohlenstoffneutralität, Energieleistung und Klimaanpassungsrisiko, weil sie nicht wollen, dass ihr Wertpapierbestand umweltschädlich aussieht“, so Grosse.
Unternehmen in der EU sind bereits seit 2014 zu einer gewissen Sozial- und Umweltberichterstattung verpflichtet. Allerdings müssen laut den neuen Vorschriften noch mehr Unternehmen diese Maßnahmen umsetzen. Große, an EU-regulierten Börsen notierte Unternehmen sind rechenschaftspflichtig, und die Berichte können geprüft werden.
Das neue Gesetz verpflichtet die Unternehmen zur Offenlegung folgender Informationen:
Strategien zur Vermeidung von Umweltverschmutzung
Interne Anreize zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen
Schutzmaßnahmen für die biologische Vielfalt im Ökosystem
Arbeits- und Menschenrechtspraktiken
Schutzmaßnahmen für Verbraucher und Endnutzer
Maßnahmen zur Korruptionsprävention und Geschäftsethik
Die Festlegung der Sanktionen für die Nichteinhaltung der Vorschriften – wie etwa Geldstrafen oder eine öffentliche Bekanntgabe – findet auf nationaler Ebene statt.
CSRD-Berichte müssen die Geschäftstätigkeit nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit beschreiben. Dementsprechend müssen zum einen sogenannte „Inside-Out“-Faktoren berichtet werden. Hier handelt es sich um Gegebenheiten, die sich auf die Welt außerhalb des Unternehmens auswirken können – wie etwa die Möglichkeit einer Verschmutzung eines lokalen Wassereinzugsgebiets durch Nebenprodukte aus der Produktion. Darüber hinaus erstreckt sich die Berichterstattungspflicht auf sogenannte „Outside-In“-Faktoren, die den Betrieb eines Unternehmens beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist die Möglichkeit von Preissprüngen bei einer wichtigen Produktionskomponente als Folge von klimawandelbedingten Katastrophen. Planungs- und Bauunternehmen sowie Gebäudeeigentümer müssen dementsprechend die Kohlenstoffbilanz sowie die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer eigenen Produkte – der Gebäude, die sie planen, bauen und betreiben – offenlegen.
„Die CSRD hat einen enormen Einfluss auf unsere Projekte, weil sie Teil des Berichtssystems für unsere Kunden sind“, erklärt Grosse, die oft die Beratung für grünes Bauen bei Sweco leitet.
Die Komplexität und der Umfang der datenintensiven CSRD-Berichterstattung kann für kleinere Unternehmen schwierig sein: Die Einhaltung der zwölf Standards, 82 Berichtsanforderungen und 500 KPIs kann Hunderte von Stunden in Anspruch nehmen. „Das erfordert die Einstellung zusätzlicher Fach- und Führungskräfte oder die Schaffung eines internen Teams, das für diesen Bereich zuständig ist“, erklärt Mokrzanski. „Auf dem Markt gibt es zahlreiche Tools, die die Erfassung der erforderlichen Daten erleichtern und verbessern können. Das Thema CSRD ist relativ neu, entsprechend werden die verfügbaren Tools ständig optimiert.“