Der Bau einer funktionalen Anlage, die sowohl den hohen ästhetischen Ansprüchen eines Bauherren wie Bulgari als auch der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Standorts gerecht wird, wurde durch die besonderen Herausforderungen der Schmuckherstellung zusätzlich erschwert. So musste Open Project bei der Planung auch die technischen Anforderungen und Sicherheitsrisiken berücksichtigen, wie Mitinhaber Luca Drago erläutert.
Die Sicherheit der wertvollen Werkstoffe einerseits – beim Transport wie bei der Lagerung und Verarbeitung in der Fabrik selbst – und der Geschäftsgeheimnisse des Unternehmens andererseits hatten dabei oberste Priorität. Lösungen wurden in enger Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeauftragten von Bulgari erarbeitet: nur eins von vielen Beispielen für kooperative Prozesse im Rahmen dieses Projekts. „Letztlich haben wir das Gebäude nach dem Zwiebelprinzip entworfen, mit mehreren Schutzschichten“, so Drago. „Durch die Gebäudeplanung und die entsprechenden Alarmanlagen wollten wir es potentiellen Einbrechern so schwer wie möglich machen, zu den Goldvorräten und anderen wertvollen Werkstoffen vorzudringen.“
Bei der Planung habe ihnen vor allem die britische Filmkomödie „Charlie staubt Millionen ab“ über einen Goldraub in Turin als Inspiration gedient, witzelte Drago in einem Interview mit der Fachzeitschrift Wallpaper.
Die Gebäudehülle diene quasi als Außenhaut der Zwiebel und erfülle mehrere Funktionen gleichzeitig, wie Drago erläutert. Sie besteht aus Aluminiumplatten, die das Gebäude im Abstand von zwei Metern umhüllen und „visuell die erste Verteidigungslinie bilden, indem sie verhindern, dass man von außen in das Gebäude hineinsehen kann“, so Drago weiter.
Jedoch ist diese Aluminiumhülle keineswegs nur eine visuelle Barriere, sondern ein wesentlicher Bestandteil des bestechenden architektonischen Gesamtkonzepts, das diese Anlage so einzigartig macht. Die Platten sind nämlich mit einer elektrolytischen Beschichtung versehen, deren Beschaffenheit sich im Laufe des Tages dem jeweiligen Sonnenstand entsprechend anpasst. Sie verändern dabei sowohl ihre Oberflächenstruktur als auch die Größe und Position der Öffnungen, sodass eine undurchsichtige Barriere entsteht, die auf geradezu wundersame Weise dennoch den Blick von innen nach außen freigibt – so als ob sich die „Metallhaut in einen lichtdurchlässigen Vorhang verwandelt“, der den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Gefühl gibt, in die sie umgebende Landschaft eingebunden zu sein.
Aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen darf das Gelände während der Arbeitszeit nicht verlassen werden. Auch hier fand Open Project eine architektonische Lösung und versah die Werkshalle mit einem großzügigen Innenhof, der nicht nur für Tageslichtausleuchtung sorgt, sondern vor allem auch als Pausenhof für die Belegschaft dient.