Er wurde im Jahr 2007 im Rahmen eines internationalen Abkommens zwischen Abu Dhabi und der französischen Regierung bekannt gegeben und ist nun Wirklichkeit geworden: Der Louvre Abu Dhabi liegt in einem neu entstehenden Kulturviertel außerhalb der historischen Innenstadt und soll als Begegnungsstätte zwischen Gesellschaften und Kulturen fungieren.
Die vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel entworfene, von einer silberfarbenen Kuppel überspannte Gebäudegruppe ruht auf windumspielten Promenaden mit Blick auf das Meer. Die Anlage auf Saadiyat Island wurde am 11. November 2017 eröffnet und vermittelt einem neuen Publikum von Kunstliebhabern die Früchte einer kulturellen Zusammenarbeit.
Die staatliche Tourism Development and Investment Company (TDIC) in Abu Dhabi beauftragte die britische Firma BuroHappold Engineering mit der technischen Gesamtplanung für den neuen Louvre. Neil Billett ist dort für die Planung internationaler Bauprojekte verantwortlich und erklärt, dass „sowohl die Einwohner von Abu Dhabi als auch Besucher aus aller Welt im neuen Louvre regionale und internationale Kunst von Weltrang in Räumen genießen können, die das traditionelle Museumserlebnis radikal neu interpretieren“.
Ausgestellt werden zum großen Teil Leihgaben des Louvre in Paris oder von der Agence France-Muséums erworbene Stücke, deren Spannbreite von der Antike bis zur Moderne reicht. Neben Artefakten und Gemälden aus dem Nahen Osten können Besucher Werke von Gauguin, Picasso und Bellini bewundern. Die Eröffnungsausstellung zeigt Kunstwerke aus anderen internationalen Museumssammlungen, im Einklang mit dem Ziel der Institution, sich als erstes „Universalmuseum“ der arabischen Welt zu etablieren, das die Geschichte der Zivilisation weltweit erzählt.
Das Museum sei das erste von mehreren von der TDIC für Saadiyat Island (deutsch: Insel des Glücks) vorgesehenen Projekten, berichtet Andy Pottinger, Tragwerksplaner und Direktor bei BuroHappold. Zu diesen Projekten gehören auch das Zayed National Museum und das vom Architekten Frank Gehry entworfene Guggenheim Museum für zeitgenössische Kunst.
Die Realisierung der Vision der Ateliers Jean Nouvel für den Louvre Abu Dhabi – insbesondere die überirdische Qualität des strahlenden Lichts, das durch seine Kuppel einfällt – sei das Ergebnis intelligenter, feinfühliger Ingenieurskunst und kreativer Nutzung von iterativem BIM, erklärt Pottinger. Einen ersten Durchbruch habe man mit der Entscheidung erzielt, das Tragwerk für die Kuppel von fünf auf vier Säulen zu reduzieren. Die „Erleuchtung“ sei schließlich gekommen, als die Stahlstruktur entsprechend der Vision des Architekten mit dem komplexen Muster der aus acht Schichten bestehenden Eindeckung zusammengeführt wurde.