In Fabriken wie in Distributionszentren haben automatisierte Systeme längst Einzug gehalten. Fahrerlose Transportsysteme und Routenzüge transportieren Waren vollautomatisiert und kollaborative Roboter – sogenannte Cobots – unterstützen den Menschen bei seiner Arbeit. In automatisierten Kleinteilelagern wie das Robotersystem Autostore kommunizieren die Maschinen bereits untereinander und die flinken Roboter bestimmen selbst die Routen, wenn sie einen Kommissionierauftrag erhalten haben.
Bei der Umsetzung der „Industrie 4.0“ bzw. dem „Internet der Dinge“ geht es darum, dass Maschinen untereinander kommunizieren. Fernziel: Der Mensch muss nur noch im Notfall eingreifen oder übernimmt die Funktion des Supervisors. Es wäre aber ein Mythos zu glauben, die Zukunft der Arbeit beginne an einem bestimmten Tag. Die Umstellung auf digitale Prozesse findet in unterschiedlichen Branchen in unterschiedlicher Geschwindigkeit – in allen Fällen aber graduell – statt.
Wir befinden uns heute in einer Phase, in der die Roboter „Beine bekommen“ haben – sich also selbständig in der Fabrik bewegen können. In einer nächsten Stufe werden Roboter in der Lage sein, Aufgabestellungen eigenständig zu erfassen und zu lösen sowie immer komplexere Montageaufgaben durchzuführen. Dass der Mensch in ein paar Jahren Roboter mit seinen Gedanken steuern wird, ist ebenfalls keine Science Fiction mehr.
An der Universität in Florida hat ein Forschungsteam bereits eine Drohnensteuerung entwickelt, bei der der Flug über Gehirnwellen kontrolliert wird. Dr. Bernhard Langefeld, Partner bei Roland Berger, sieht eine rasante Entwicklung der Fähigkeiten von Robotern beispielsweise durch den Einsatz von KI, verbesserte (Fein-) Mechanik, die Kombination von Robotern und Automated Guided Vehicles (AGVs) bzw. fahrerlosen Transportsystemen oder verbesserte Human-Machine-Interfaces (HMIs).
Wie schnell sich der Wandel vollzieht, hängt aber nicht nur davon ab, ob eine Technologie verfügbar ist, sondern auch von der Prozesssicherheit und den Kosten, betont der Roland-Berger-Berater. Er begleitet viele Unternehmen bei der digitalen Transformation und rät manchmal auch dazu, noch abzuwarten, bis eine Technologie ausgereifter oder günstiger ist.
Langefeld glaubt nicht daran, dass die so genannte „lights-out-factory“ – also eine, in der kaum noch Menschen unterwegs sind und die Maschinen selbstständig im Dunkeln arbeiten – schnell Realität sein wird. Nichtsdestotrotz ist die Vorstellung von der menschenleeren Fabrik für Menschen, die heute dort arbeiten, verständlicherweise eine, die Angst auslöst. Aber ist sie überhaupt realistisch?